Kleopatra

Buchcover "Kleopatra"

Da muss man drauf kommen, eine Tüpfelhyäne zur Hauptfigur eines Bilderbuchs zu machen! Und sie dann Kleopatra nennen – in Krejtschis Bildern ist die Diskrepanz zwischen diesem Synonym für Schönheit und Kleopatras Existenz in Müll und Gestank zu lesen. Dort wohnt Kleopatra nämlich, auf einer Müllhalde. Sie führt mit Begeisterung einen Laden, der wie kein anderer ist, es ist ein Laden für Dinge, die keiner mehr will. Kleopatra ist eine Sammlerin durch und durch. Zerrissene Spinnennetze, Schneckenhäuser ohne Schnecken, Fotos mit nichts drauf, und und und. Leider findet Kleopatras Laden wenig Beachtung, bis eines Nachts Ed auftaucht und sich in die Taucherbrille ohne Gläser und Bändel verguckt und irgendwann seine sieben Geschwister mitbringt, die sich für alles in Kleopatras Auslage interessieren! Sie könnte glücklich sein, wäre da nicht diese unbestimmte Sehnsucht nach Sonne, heißem Wind und weitem Land in ihrem Herzen.

Eine nicht mehr ganz vollständige Weltkarte setzt eine gewaltige Veränderung in Gang, denn Ed entdeckt darauf Afrika und kann davon was erzählen. Zuerst hat Kleopatra nur so ein Gefühl, dann wird es eine Gewissheit: Afrika ist der Ort, wo sie hingehört. Sie verschenkt ihre Sammlung, ihren Laden und nimmt Abschied. Es würde weit sein bis Afrika, aber jeder Schritt bringt sie näher zu dem, was sie ist: eine Hyäne, getüpfelt.

Brauchen wir ein solches Buch? Unbedingt! Zuerst der Text, der alles, Mensch, Tier, Dinge gleich bedeutend behandelt. Es ist einfach alles da und entsprechend unaufgeregt klingt er.  Dazu kommt Krejtschis lebhafte, emotionale Inszenierung der unnützen Dinge, Menschen, Tiere. Autor und Illustrator bringen es fertig, das Nutzlose mit Zärtlichkeit zu umgeben.

Will Gmehling
Kleopatra
Illustration: 
Tobias Krejtschi
Peter Hammer Verlag
2015
32 Seiten
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