Das Loch

Buchcover "Das Loch"

Das Loch, um das es geht, ist eine runde Stanzung durch das Buch samt Einband – mitten durch! Ziemlich großformatig, leuchtend gelb, mit Loch in der Mitte lässt es gar keine Rückschlüsse auf seinen Inhalt zu.

Dieser entpuppt sich als gleichzeitig realistische und doch total irritierende Bilderzählung fast ohne Wörter und mit dem Gebrauch von nur wenig Farbe.

Ein Mensch mit Torseter-typischem tierähnlichem runden Kopf und Maul zieht in eine neue Wohnung ein, schleppt und stapelt Kisten, ordentlich beschriftet sind sie alle. Er richtet sich provisorisch einen Essplatz her, brät sich ein Spiegelei. Erst beim Essen lässt er den Blick schweifen und entdeckt das Loch in der Wand direkt neben der Tür. Nur merkwürdig: obwohl das Loch durch die Wand geht, befindet sich auf der anderen Seite der Wand keins! Hä?

So beginnt ein raffiniertes Spiel! Mit Hilfe der Verschiebung der Illustrationen auf den Buchseiten befindet sich das Loch mal in der Schranktür, der Waschmaschine, in der Zimmerdecke oder mitten auf dem Fußboden. Komplett verwirrt – die Leser:innen sind es auch – leert der Mensch eine Kiste und „fängt“ das Loch! Kiste zu und ab ins Labor, um diese Merkwürdigkeit erforschen zu lassen. Unterwegs entschlüpft das Loch, ist Straßenlampe, Ampel, Autoreifen, Luftballon …. In der Straßenbahn wird nachgeschaut, ob das Loch noch da ist. Ja, es befindet sich in der Kiste …

Die Kiste samt dem Loch bleibt im Labor, so dass der Protagonist erleichtert nach Hause gehen kann, sich ein Bett herrichten, den Schlafsack ausrollen und hineinkriechen kann. Wir Leser:innen sehen, dass das Loch seinen Platz in der Wand wieder eingenommen hat!

Torseter ist ein wunderbares Spiel mit der Wahrnehmung gelungen und hat es mit größter Leichtigkeit und zeichnerischer Sicherheit zu Papier gebracht. Die Leser:innen verstehen irgendwann das System. Mit lachender Verblüffung wird die Handlung verfolgt. Ja, ein Loch kann man einfangen und in einer Kiste wegtragen – wer hätte das gedacht!

Øyvind Torseter
Das Loch
Aus dem Norwegischen von Maike Dörries
Gerstenberg Verlag
2012
nicht paginiert
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