Schlich ein Puma in den Tag

Buchcover Schlich ein Puma in den Tag

Ein großes schwarzes Buch liegt vor der Leser:in. Bei genauerem Hinsehen sind im Schwarz Strukturen erkennbar, schemenhaft ein Tier (Katzen) - Kopf. Ein Auge schaut nach draußen: herausgearbeitet aus dem Schwarz, herausgekratzt. Da ist wohl der Puma verborgen. Wie schleicht er nun aber in den Tag? Zwei Mal! Das erste Mal entsteht sein Kopf schrittweise auf einer leeren Seite mit farbiger Ölkreide. Schrittweise heißt umblättern und ein Stück mehr zu sehen bekommen.
Ist er fertig, liegt auf der folgenden Seite eine Schicht weißer Kreide darüber, vielleicht auch zwei Schichten. Danach verschwindet er „aus dem Tag“ in die Nacht, indem über dem Weiß alles entlang der Konturen und Farbflächen mit schwarzer Kreide übermalt wird. Per Sgraffito-Technik, mit spitzem Kratz-Werkzeug, „schleicht“ der Puma jetzt Seite für Seite wieder in den Tag, bis er in voller Schönheit vor dem Schwarz des Hintergrundes leuchtet! 

Parallel vollzieht die Text-Künstlerin den Prozess des Zu-Tage-Schleichens des Pumas (und später auch den eines Frosches, eines Kugelfisches, einer Echse, einer Eule) mit poetischen Worten:

Schlich ein Puma in den Tag

regte sich
bewegte sich
………………….
schritt leise
pfotenweise
………………….
erst ein Auge
dann das zweite
…………………..
weiter, weiter
…………………..
Seit‘ an Seite
mit dem Morgen
der so neu
…………………..
schlich ein Puma
ich, ein Puma
……………………
schlich ein Puma
in den Tag

Zusammen mit der weiträumigen und so klug farbig durchdachten Buchgestaltung von Franziska Walther haben Verena Pavoni und Lena Raubaum ein wunderbares Buch zum Schauen und Gedichte-Lesen für alle geschaffen!

Ein zusätzlicher Clou: die Künstlerinnen erklären sowohl die Sgraffito-Technik als auch mögliches Handwerkzeug fürs Gedichte-Schreiben auf den letzten Seiten. Das ist hilfreich, weil sehr übersichtlich, auch wenn vorher schon viel vom „wie“ zu sehen war.
Beim Ausprobieren (Nachvollziehen) stellt sich heraus, dass es gar nicht einfach ist, mit schwarzer Ölkreide genauere Konturen zu malen und diese in der schwarzen Schicht sichtbar, bzw. erahnbar zu halten. Das ist nämlich eigentlich eine Voraussetzung für das Herauskratzen an den richtigen Stellen, jedenfalls dann, wenn ein konkretes Motiv und nicht nur einfach Farbflächen unter dem Schwarz verborgen liegen. Also Üben und Kreiden ausprobieren! Und einen erstaunlichen Effekt ausnutzen: fotografiert bekommt das herausgekratzte Motiv eine erstaunliche Brillanz! 

Lena Raubaum, Verena Pavoni
Schlich ein Puma in den Tag
Illustration: 
Verena Pavoni
Kunstanstifter
2025
Rubrik: