Wer denkt sich die Wörter aus?

Sammlung: 
Cover "Wer denkt sich die Wörter aus"

Wo kann ein Wortschatz gefunden werden? Und ist das überhaupt ein Schatz: Wörter?

Aber ja! Jedenfalls sind es viele Wörter, um die es geht, ungefähr 16000 in der Alltagssprache (die aber mit nur 40 Lauten und 30 Buchstaben gesprochen und geschrieben werden).

Aber nein! Denn diese Wörter, diese 16000, die haben wir ja schon! Wozu sie noch suchen und „heben“?

Den Autor:innen geht es gar nicht ums Sammeln, um Mengen und um Zahlen, ums Graben aber schon. Sie zeigen uns, welch einen wunderbaren Schatz unsere Sprache darstellt, wie und dass mit diesen 40 Lauten (und 30 Buchstaben), diesen tausenden Kombinationsmöglichkeiten, Bedeutung entsteht und wir uns verständigen können: Tisch, Stuhl, Auto, Regenschirm. Sie zeigen uns, welche Hilfen es gibt, wenn z.B. Wörter gleich geschrieben werden, aber unterschiedliche Bedeutungen haben ( - die Grammatik), oder eine doppelte Bedeutung haben ( - oft die Ortographie), oder wenn sie gleich aussehen, aber mit unterschiedlicher Betonung ausgesprochen werden ( - Montage .. es hilft der Zusammenhang). Dass wir Wörter aneinanderhängen und z.B. alle eine Vorstellung von „Tischbein“ haben, dass aber „Beintisch“ nicht geht …

Tischbein ist auch so ein Wort. Du siehst sofort, woraus es besteht: Es wurde aus den kurzen Wörtern Tisch und Bein zusammengesetzt.  (Woraus die Wörter Tisch und Bein bestehen, lässt sich jedenfalls nicht so einfach sagen). Und noch etwas siehst du gleich: Ein Ding, das Tischbein genannt wird, ist auf keinen Fall ein Tisch. Es ist immer ein Bein. Das Wort Tisch bestimmt dafür aber näher, um was für ein Bein es sich handelt – nicht andersherum. Nun, was für ein Bein ist es denn, unser Tischbein? Oder anders gefragt: Wie bestimmt das Wort Tisch das Wort Bein?

  • Ist es wie beim Wort Kartoffelnase? Eine Kartoffelnase ist eine Nase, die wie eine Kartoffel aussieht. Klar. Dann wäre also ein Tischbein ein Bein, das aussieht wie ein Tisch? Wohl kaum.
  • Oder ist es eher wie beim Wort Glasmurmel, also einer Murmel aus Glas? Dann wäre ein Tischbein ja ein Bein, das aus einem Tisch besteht. Unfug.
  • Aber vielleicht wie bei Tischdecke? Das ist ja zur Hälfte sogar dasselbe Wort wie unser Tischbein. Eine Tischdecke ist eine Decke, die wir auf den Tisch legen. Also ist ein Tischbein ein Bein, das wir auf den Tisch … Nein, Schluss damit!“

……

Wir erfahren, dass Wörter wandern, unsere in andere Sprachen aus, andere in unsere Sprache hinein. Und dass sie auch ganz und gar auswandern können und in Vergessenheit geraten. Wer wusste schon, was ein (Ver)Hüllwort ist? Dann noch die Palindrome, die Vorwärts-so-wie-rückwärts-Wörter, und die, die von hinten gelesen eine neue Bedeutung haben; die Anagramme, und: heißt es nun gedownloaded oder downgeloaded? Dieses Buch spricht über die Herkunft von Orts- und Eigennamen (leider nicht über die von „Schniggenfittig“), und es entschlüsselt sogar den „satanarchäolügenialkohöllischen“ Wunschpunsch!

Das Ganze bildet eine höchst vergnügliche Lektüre! Viele Wort-Beispiele beziehen die Autor:innen aus (meist bekannter) Kinderliteratur von Michael Ende bis J.K.Rowling, alle am Seitenrand in einer Legende ausgewiesen. Last but not least: So wunderbar klare, offene, witzige und doch rätselige kleine Illustrationen und Vignetten habe ich schon lange nicht mehr in einem Sachbuch vorgefunden.

(Ein kleiner Wermutstropfen: Das Markierungs- und Symbol-System für das Zurechtfinden im Text und über diesen hinaus ist meines Erachtens überdimensioniert.)

Zusätzliches zum „Weitergraben“ bietet die Website www.sprachfutter.de

Brigitte Schniggenfittig / Jörg Wagner
Wer denkt sich die Wörter aus?
Eine Wort-Schatz-Suche
Illustration: 
Dieter Gilfert
Mirabilis Verlag
2021
112 Seiten
Rubrik: