Steine und Gebeine. Was Fossilien uns über das Leben auf der Erde erzählen

Buchcover Steine und Gebeine

Jetzt kommen zum ersten Mal Personen ins Spiel: im frühen 19. Jahrhundert entdeckten die Forscher Georges Cuvier und William Smith, dass in Gesteinsschichten aus ganz verschiedenen Gebieten der Welt ähnliche Fossilien zu finden waren und schlossen daraus einen Zusammenhang mit der Erdgeschichte allgemein. Fossilien sind unsere Brücke in diese Vergangenheit, Paläontolog:innen - das Wort wurzelt im Griechischen: die Wissenschaft (Logia) der sehr alten (palaios) Existierenden (onta) – „suchen nach Lehren, die aus dem Entstehen und Vergehen der erdgeschichtlichen Entwicklungen gezogen werden können und stellen Bezüge zu unserer Gegenwart her, in der die Menschen tatkräftig in dieser Entwicklung mitmischen.“ 
Mary Annings, eine junge Frau, die besonders erwähnt wird, war keine ausgewiesene Wissenschaftlerin, aber sie, eine „Laien-Forscherin“, entdeckte als Jugendliche zuerst einen Ichthyossaurus (ein Meeresreptil), später dann noch einen Plesiosaurus (ebenfalls ein Meeresreptil) und einen Dimorphodon, einen Flugsaurier, und grub alle in jahrelanger Arbeit aus – man stelle sich das vor!
 Steine „erzählen“ Geschichten, was hier heißt: sie geben etwas von der Lebensgeschichte frühgeschichtlicher Lebewesen preis und sie gewähren Einblicke in die Erdgeschichte. Es geht vor allem um Sedimentgesteine (Kreide, Kohle, Kalkstein, Sandstein), denn nur dort findet man Fossilien (das Wort bedeutet „Ausgegrabenes“). Damit ein gestorbenes Lebewesen zu einem Fossil werden kann (und das mag tausende von Jahren dauern), muss es bald nach seinem Tod von Sedimenten – Sand und Schlamm und durch Erosion abgeriebenes Material – bedeckt werden. „Der beste Ort dafür ist unter Wasser, damit Schlammschichten es schnell bedecken können.“ So kommt es, sagt der Text, dass 99 % aller bisher gefundenen Fossilien von Meeresbewohnern stammen!
Im „Fossilienbericht“ geht es in der Erdgeschichte unvorstellbare 4500 Millionen Jahre zurück! Aus diesem frühesten Zeitalter gibt es nur Spurenfossilien, Spuren, die Bewegungen von wenigzelligen, wirbellosen Wesen am Meeresboden hinterlassen haben. Niemand weiß, wie sie ausgesehen haben!
Das änderte sich „schon“ 4000 Millionen Jahre später, im Kambrium, und ging dann, in „Stein-Zeit“ gedacht, in atemberaubender Geschwindigkeit weiter bis zu einem ersten großen Artensterben vor 250 Millionen Jahren, bei dem viele Landtiere und die meisten Meeresbewohner verschwanden. Kurz, aber spannend zu lesen, was „damals“ vermutlich geschah. Vermutlich, das gilt auch für das zweite Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren, als alle Dinosaurier verschwanden, und möglicherweise ging ein weiteres Artensterben vor ungefähr 11.000 Jahren mit der Ausbreitung der Menschen einher! Offenbar bejagten sie größere Tiere überall dort, wo sie hinkamen, bis zu deren Ausrottung … Vielleicht ist Homo Sapiens auch für das Aussterben anderer Homo-Arten verantwortlich? Diese letzten „Vielleichts“ werden aber ohne weitere Erläuterungen in den Raum gestellt. 

Wir wissen nicht … wir wissen nicht genau …vermutlich … vielleicht, das sind wiederkehrende Formulierungen, denn im „Fossilienbericht“ klaffen noch immer Lücken. Das, was bekannt ist, erfahren die Leser:innen beim Gang durch die Erdzeitalter, auch in „Fallbeispielen“ einzelner Arten, gut und übersichtlich in Info-Kästen aufbereitet. Der Ton des Textes ist angenehm sachlich, zwar vereinfacht und so für ein Grundschulkind verständlich, aber keineswegs simpel. 
Simpel trifft meines Erachtens eher für die Bebilderung zu. Reich und großflächig zeigt sie sich, alles ist zu erkennen, das gezeigt werden soll. Aber oft sind Einzelheiten nicht ausgeformt, zum Beispiel Pfoten, Hufe und Klauen, ebenso Felle oder „Gesichter“, und das scheint mir weniger dem „nur vielleicht haben sie so ausgesehen“ geschuldet zu sein. Beliebig wirkende Zacken stellen ausbrechende Lava dar, Farbflächen Landschaft und hintereinander liegende Rundungen und Zacken sind Berge. Ein Wermutstropfen…  Zum Schluss gibt es noch Tipps für die eigene Fossiliensuche und für einen eigenen Werdegang zum/zur Paläontolog:in, sowie ein Glossar.
Insgesamt können interessierte Grundschüler:innen, die der bloßen Faszination von Größe und Namen der Dinosaurier schon entwachsen sind, mit diesem Buch eine Menge anfangen.

Rob Wilshaw
Steine und Gebeine
Was Fossilien uns über das Leben auf der Erde erzählen
Illustration: 
Sophie Williams
Aus dem Englischen von Cornelia Panzacchi
E.A. Seemann Verlag
2023
81 Seiten
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