… die drei vergess‘ ich nimmer – eine Eselsbrücke für die Entstehung von Granit! Über Granit und sehr viele andere Steine und Versteinertes handeln diese drei Bücher, so unterschiedlich wie nur was! Erzählend, überaus sachlich, mit speziellem Humor, bildreich. Lehrreich sind alle drei, zugleich herausfordernd und inspirierend, mit erstaunlichen Tatsachen und erstaunlich vielen offenen Fragen.
Steine Ganz schön genial

Der Titel gibt schon einen Hinweis, denn: ist nicht „genial sein“ etwas, das zum Leben gehört, und sind nicht Steine – tot? Ja, schon, aber hier kommen trotzdem 30 Stein-Persönlichkeiten zu Wort! Mit dem „Leben“, das sie hatten und haben, bevor jemand sie findet, in der Hand hält (oder auch besser nicht in der Hand hält), sie abbaut, schneidet, schleift, raspelt, ihre „Produkte“ verwendet, ihnen sogar heilende Kräfte zuschreibt. Allerdings ist es notwendig, in „Stein-Zeit“ zu denken, also in Millionen und Milliarden Jahren, außer bei Plastikkonglomesat, das kann auch in Jahrzehnten gedacht werden.
Ein Protagonist zu sein, eine literarische Hauptfigur, verhilft manchem Tier zu einer persönlichen Art von Lebendig-Sein – das funktioniert in diesem Buch auch für Steine.
Ein Beispiel:
„Ein bisschen eingebildet ist er schon […] kein Luxushotel, kein Museum, kein Regierungsgebäude, das etwas auf sich hält, kommt ohne ihn aus. Wie auch! Seine ausgesuchte Farbpracht von weißwestenweiß […] bis edelschwarz! Und erst sein Glanz, sobald er poliert ist! […] Marmor bezeichnet ursprünglich gar nicht die weltberühmte Maserung, sondern heißt „ich glänze“ auf Altgriechisch. ‚Huch, der meint mich‘ denkt jeder selbstverliebte Herrscher, ‚ich glänze, ich‘! Und pflastert sich mit Marmor die Bude voll.“
Schließlich erfährt die Leserin, dass Marmor wie Marmorkuchen entstanden ist, wie auch sonst? Mit Back-Begriffen erzählt die Autorin dann von sich verschiebenden und abgeriebenen Gesteinsmassen, die, ordentlich durchmischt und gepresst, in der Tiefe bei 400 Grad „gebacken“, zu etwas Neuem werden. In diesem Fall zu einem Gestein, das gleichzeitig locker (luftig) und fest ist. „War mal: oller Sandstein. Ist jetzt: cooler Marmor!“ Natürlich geschieht das in Stein-Zeit, in Jahrmillionen. Direkt an die Leser:innen gewandt, schließt die Autorin das Marmor-Kapitel: „Meinetwegen kann sich der Marmor also gerne was einbilden. Darauf, dass seine Säulen auch nach Tausenden von Jahren noch immer wie eine Eins stehen? Nein! Darauf, dass man einen Kuchen nach ihm benannt hat! (Und sollte jemand deine Backergebnisse „Granit-Kekse“ getauft haben, so war das – verzeih die Offenheit – nicht als Kompliment gemeint!)
Ein wahrhaft ungewöhnlicher Ton für ein Sachbuch. Fast immer ist das vergnüglich zu lesen, und erstaunlicherweise hat der Text trotzdem wissenschaftliche Erkenntnisse, geologische Sachinformationen und offene Fragen parat, wie ein Info-Kasten mit Bildunterschrift das hätte. Wenn die Leser:innen das Buch von vorn beginnen, profitieren sie außerdem von Rückverweisen auf Aussagen, die schon vorher, bei anderen Stein-Lebensgeschichten, wichtig waren, man weiß da schon was in diesem doch anspruchvollen Metier! (Das kann natürlich auch zurück nachgeschlagen werden ...)
Apropos Bildunterschriften: die gibt es nicht, aber glücklicherweise Bilder von den Stein-„Persönlichkeiten“. Nicht nur glücklicherweise, sondern auch glücklich machend: fein gemalt, gekreidet, gestrichelt, auch collagiert bekommen wir die Steine zu Gesicht. Keiner wie der andere, in zarter Farbigkeit und Farbabstufung oder basalt-grau, mit feinen und gröberen Binnenzeichnungen. Grüne Töne, orangige, goldene, rosa und braune Töne. Wie ausführlich muss die Künstlerin die Steine studiert haben! Dazu kommen noch ganzseitige Tafeln von Gesteinsschichten, Meeresboden und Wasserschichtungen. Großartig die Doppelseite mit der Darstellung der „schwarzen Raucher“ in der Tiefsee! („Schwarze Raucher“ hocken in finsterster Dunkelheit und verschwiegener Klammheimlichkeit ganz unten am Meeresboden“)
Assoziative, nicht-steinische Vignetten schaffen eine weitere Bildebene, die sich in anderer Weise auf den Text bezieht. Insgesamt ist „Steine – ganz schön genial“ eine Augenweide, die schon beim Aufschlagen des Buches auf dem Vorsatzpapier beginnt.
Ein Buch zum Schauen, Staunen, Lesen und Vorlesen, ein Anreiz für einen neuen Blick auf Steine.
Oh, ein Stein!

Der Untertitel: ‚mit ziemlich vielen Mineralen und Gesteinen‘, ist nicht übertrieben, eher im Gegenteil, 118 Steine zählt das Glossar. Zunächst startet die Leserin mit einer Aufforderung: „Geht raus und guckt euch Steine an. Die sind nämlich megageil, denn sie sind überall. Bevor wir da waren und nachdem wir sein werden, wenn wir sie achten und schützen. Auch Steine sind endlich!“
Wer dann trotzdem beim Buch bleibt und weiter blättert, landet in einem Einführungstext über den geologischen Aufbau der Erde und dann im ersten Bereich, dem der Minerale. Dieser Text ist mit Fachbegriffen (Petrographie …) gespickt, deren Übersetzungen, beziehungsweise Bedeutungen vom Autor zwischen die Zeilen und über die Begriffe eingefügt werden, wenn der Autor das notwendig findet (in seinen Büchern „Oh ein Tier“ und „Oh eine Pflanze“ handhabt Felix Bork den Einstieg genauso). Eine tolle Idee, zumal sie zusätzlich mit kleinen Zeichnungen humorvoll ausgeführt ist. Auch sich selbst stellt der Autor eingangs vor, das ist auch gut, denn im Laufe des Buches spricht er die Leser:innen oft direkt an. Er erscheint als comichaft gezeichnetes, rosa-rundes Selbstportrait mit schwarzer auffälliger Brille.
Das ist bildnerisch ein kompletter Gegenentwurf zu den Bildern von Mineralen, Steinen und Meteoriten. Selbige sind wunderbar nach der Natur gemalt: ausschließlich mit dem Pinsel, mal mit pastosem Farbauftrag, dann mit ganz feinem Pinselstrich, auch durchsichtig und mit kleinsten Farbnuancen, mit meisterhafter Farbenmischung. Auch für Felix Bork gilt: welch eine intensive Beobachtungsarbeit muss der Malerei vorausgegangen sein! Seine Bilder haben allergrößten Schauwert. Wenn jetzt auch noch die Gold-, die Silber-, die Kupfer-, die Titan-, und die Eisen-Seiten wirklich glänzten, wie vom Autor „eigentlich gewollt …
Wie das erste, umfangreiche Kapitel, werden auch das zweite, die Gesteine und das dritte, die Meteoriten, mit einem komplexen Sachtext eingeleitet, der behandelt wird wie oben schon beschrieben.
Über alle Bereiche hinweg gibt der Autor übersichtliche (immer handgeletterte) Sachinformationen, Besonderheiten wie einen bestimmten kristallinen Aufbau eines Gesteins erläutert er per Zeichnung. Die Informationen versieht er vielfach mit humorvollen Seitenbemerkungen und -Bildern, er macht Ausflüge in Alltag-Stein- Bereiche (Steine im Schuh, eine Anleitung zum Steine-Flitschen), er zeichnet Cartoons und Geschichten: es gibt neben den Bildern eine Menge zu lesen. Oft ist das lustig, manchmal albern und ein bisschen Herrenwitz ist auch dabei … sei’s drum: Die Vielfalt und Schönheit der toten und doch veränderlichen Gebilde (wenn in „Stein-Zeiten“ gedacht wird) lässt das in den Hintergrund treten.
118 Steine, dazu kommen noch ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen, die alle auch im Bild zu sehen sind. Oh, ein Stein! (stein-schwer übrigens) ordnet zum Schluss nach dem Alphabet, aber nicht z.B. nach Fundorten, Zeiten, Farben, so dass es als Nachschlagewerk nur mit Geduld und viel Blättern gebraucht werden kann, wenn jemand einen bestimmten Stein zuordnen möchte.
Ein Buch zum Schauen, eins, dass aufgeschlagen auf dem Tisch liegt – als Inspiration: geht raus und guckt euch Steine an!
Steine und Gebeine. Was Fossilien uns über das Leben auf der Erde erzählen

Jetzt kommen zum ersten Mal Personen ins Spiel: im frühen 19. Jahrhundert entdeckten die Forscher Georges Cuvier und William Smith, dass in Gesteinsschichten aus ganz verschiedenen Gebieten der Welt ähnliche Fossilien zu finden waren und schlossen daraus einen Zusammenhang mit der Erdgeschichte allgemein. Fossilien sind unsere Brücke in diese Vergangenheit, Paläontolog:innen - das Wort wurzelt im Griechischen: die Wissenschaft (Logia) der sehr alten (palaios) Existierenden (onta) – „suchen nach Lehren, die aus dem Entstehen und Vergehen der erdgeschichtlichen Entwicklungen gezogen werden können und stellen Bezüge zu unserer Gegenwart her, in der die Menschen tatkräftig in dieser Entwicklung mitmischen.“
Mary Annings, eine junge Frau, die besonders erwähnt wird, war keine ausgewiesene Wissenschaftlerin, aber sie, eine „Laien-Forscherin“, entdeckte als Jugendliche zuerst einen Ichthyossaurus (ein Meeresreptil), später dann noch einen Plesiosaurus (ebenfalls ein Meeresreptil) und einen Dimorphodon, einen Flugsaurier, und grub alle in jahrelanger Arbeit aus – man stelle sich das vor!
Steine „erzählen“ Geschichten, was hier heißt: sie geben etwas von der Lebensgeschichte frühgeschichtlicher Lebewesen preis und sie gewähren Einblicke in die Erdgeschichte. Es geht vor allem um Sedimentgesteine (Kreide, Kohle, Kalkstein, Sandstein), denn nur dort findet man Fossilien (das Wort bedeutet „Ausgegrabenes“). Damit ein gestorbenes Lebewesen zu einem Fossil werden kann (und das mag tausende von Jahren dauern), muss es bald nach seinem Tod von Sedimenten – Sand und Schlamm und durch Erosion abgeriebenes Material – bedeckt werden. „Der beste Ort dafür ist unter Wasser, damit Schlammschichten es schnell bedecken können.“ So kommt es, sagt der Text, dass 99 % aller bisher gefundenen Fossilien von Meeresbewohnern stammen!
Im „Fossilienbericht“ geht es in der Erdgeschichte unvorstellbare 4500 Millionen Jahre zurück! Aus diesem frühesten Zeitalter gibt es nur Spurenfossilien, Spuren, die Bewegungen von wenigzelligen, wirbellosen Wesen am Meeresboden hinterlassen haben. Niemand weiß, wie sie ausgesehen haben!
Das änderte sich „schon“ 4000 Millionen Jahre später, im Kambrium, und ging dann, in „Stein-Zeit“ gedacht, in atemberaubender Geschwindigkeit weiter bis zu einem ersten großen Artensterben vor 250 Millionen Jahren, bei dem viele Landtiere und die meisten Meeresbewohner verschwanden. Kurz, aber spannend zu lesen, was „damals“ vermutlich geschah. Vermutlich, das gilt auch für das zweite Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren, als alle Dinosaurier verschwanden, und möglicherweise ging ein weiteres Artensterben vor ungefähr 11.000 Jahren mit der Ausbreitung der Menschen einher! Offenbar bejagten sie größere Tiere überall dort, wo sie hinkamen, bis zu deren Ausrottung … Vielleicht ist Homo Sapiens auch für das Aussterben anderer Homo-Arten verantwortlich? Diese letzten „Vielleichts“ werden aber ohne weitere Erläuterungen in den Raum gestellt.
Wir wissen nicht … wir wissen nicht genau …vermutlich … vielleicht, das sind wiederkehrende Formulierungen, denn im „Fossilienbericht“ klaffen noch immer Lücken. Das, was bekannt ist, erfahren die Leser:innen beim Gang durch die Erdzeitalter, auch in „Fallbeispielen“ einzelner Arten, gut und übersichtlich in Info-Kästen aufbereitet. Der Ton des Textes ist angenehm sachlich, zwar vereinfacht und so für ein Grundschulkind verständlich, aber keineswegs simpel.
Simpel trifft meines Erachtens eher für die Bebilderung zu. Reich und großflächig zeigt sie sich, alles ist zu erkennen, das gezeigt werden soll. Aber oft sind Einzelheiten nicht ausgeformt, zum Beispiel Pfoten, Hufe und Klauen, ebenso Felle oder „Gesichter“, und das scheint mir weniger dem „nur vielleicht haben sie so ausgesehen“ geschuldet zu sein. Beliebig wirkende Zacken stellen ausbrechende Lava dar, Farbflächen Landschaft und hintereinander liegende Rundungen und Zacken sind Berge. Ein Wermutstropfen… Zum Schluss gibt es noch Tipps für die eigene Fossiliensuche und für einen eigenen Werdegang zum/zur Paläontolog:in, sowie ein Glossar.
Insgesamt können interessierte Grundschüler:innen, die der bloßen Faszination von Größe und Namen der Dinosaurier schon entwachsen sind, mit diesem Buch eine Menge anfangen.
