
Der Untertitel: ‚mit ziemlich vielen Mineralen und Gesteinen‘, ist nicht übertrieben, eher im Gegenteil, 118 Steine zählt das Glossar. Zunächst startet die Leserin mit einer Aufforderung: „Geht raus und guckt euch Steine an. Die sind nämlich megageil, denn sie sind überall. Bevor wir da waren und nachdem wir sein werden, wenn wir sie achten und schützen. Auch Steine sind endlich!“
Wer dann trotzdem beim Buch bleibt und weiter blättert, landet in einem Einführungstext über den geologischen Aufbau der Erde und dann im ersten Bereich, dem der Minerale. Dieser Text ist mit Fachbegriffen (Petrographie …) gespickt, deren Übersetzungen, beziehungsweise Bedeutungen vom Autor zwischen die Zeilen und über die Begriffe eingefügt werden, wenn der Autor das notwendig findet (in seinen Büchern „Oh ein Tier“ und „Oh eine Pflanze“ handhabt Felix Bork den Einstieg genauso). Eine tolle Idee, zumal sie zusätzlich mit kleinen Zeichnungen humorvoll ausgeführt ist. Auch sich selbst stellt der Autor eingangs vor, das ist auch gut, denn im Laufe des Buches spricht er die Leser:innen oft direkt an. Er erscheint als comichaft gezeichnetes, rosa-rundes Selbstportrait mit schwarzer auffälliger Brille.
Das ist bildnerisch ein kompletter Gegenentwurf zu den Bildern von Mineralen, Steinen und Meteoriten. Selbige sind wunderbar nach der Natur gemalt: ausschließlich mit dem Pinsel, mal mit pastosem Farbauftrag, dann mit ganz feinem Pinselstrich, auch durchsichtig und mit kleinsten Farbnuancen, mit meisterhafter Farbenmischung. Auch für Felix Bork gilt: welch eine intensive Beobachtungsarbeit muss der Malerei vorausgegangen sein! Seine Bilder haben allergrößten Schauwert. Wenn jetzt auch noch die Gold-, die Silber-, die Kupfer-, die Titan-, und die Eisen-Seiten wirklich glänzten, wie vom Autor „eigentlich gewollt …
Wie das erste, umfangreiche Kapitel, werden auch das zweite, die Gesteine und das dritte, die Meteoriten, mit einem komplexen Sachtext eingeleitet, der behandelt wird wie oben schon beschrieben.
Über alle Bereiche hinweg gibt der Autor übersichtliche (immer handgeletterte) Sachinformationen, Besonderheiten wie einen bestimmten kristallinen Aufbau eines Gesteins erläutert er per Zeichnung. Die Informationen versieht er vielfach mit humorvollen Seitenbemerkungen und -Bildern, er macht Ausflüge in Alltag-Stein- Bereiche (Steine im Schuh, eine Anleitung zum Steine-Flitschen), er zeichnet Cartoons und Geschichten: es gibt neben den Bildern eine Menge zu lesen. Oft ist das lustig, manchmal albern und ein bisschen Herrenwitz ist auch dabei … sei’s drum: Die Vielfalt und Schönheit der toten und doch veränderlichen Gebilde (wenn in „Stein-Zeiten“ gedacht wird) lässt das in den Hintergrund treten.
118 Steine, dazu kommen noch ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen, die alle auch im Bild zu sehen sind. Oh, ein Stein! (stein-schwer übrigens) ordnet zum Schluss nach dem Alphabet, aber nicht z.B. nach Fundorten, Zeiten, Farben, so dass es als Nachschlagewerk nur mit Geduld und viel Blättern gebraucht werden kann, wenn jemand einen bestimmten Stein zuordnen möchte.
Ein Buch zum Schauen, eins, dass aufgeschlagen auf dem Tisch liegt – als Inspiration: geht raus und guckt euch Steine an!
